Packreport Juli 2007
Heißleim Spezialist als Innovator
Nächste Station Endverpackung
Gegründet würde die hhs GmbH in Krefeld 1986 von Hans Henning Sasse, der mit einigen technischen Ideen startete, die Patentwürden erhielten. Dem ersten Sprühventil folgte bis heute eine Vielzahl weiterer technischer Innovationen, die die Basis für den anhaltenden Erfolg des Unternehmens bilden. Nun erhält das Unternehmen einen neuen Namen: Baumer hhs GmbH firmieren die Krefelder zukünftig, damit stellt der Mehrheitseigentümer seinen Namen prominent voran.
Heiß- und Kaltleimtechnologie sind die beiden Eckpfeiler des Unternehmens in Krefeld. Seit einigen Jahren (2001) bereits gehört hhs zur schweizerischen Baumer Gruppe und ist mit dem in Berlin ansässigen Elektronikunternehmen System Kurandt GmbH verschmolzen. Diese Zusammengehörigkeit macht das Unternehmen jetzt mit der Umbenennung auch ersichtlich. Doch erst noch einmal zurück zu den Anfängen. Elektromagnetische Sprühventile markierten den gleich zu Beginn erfolgreichen Unternehmensverlauf (1988 wurde Vario Glue, das elektrische Ventil für Kaltleim eingeführt), erste Auslandstöchter entstanden in Großbritannien, Italien und den USA und seit der Drupa im Jahr 2000 macht sich die zu der Zeit noch hhs geheißene Firma auch einen Namen im Bereich der Heißleimtechnologie. Erst im Herbst letzten Jahres führten die Krefelder zur FachPack die Xmelt-Heißleimserie ein, die gezielt für die unterschiedlichen Anwendungen in der Endverpackung konzipiert ist. Damit soll ein weiterer Meilenstein der Firmengeschichte gesetzt werden.
Marktführer im Verkleben von Wellpappe und Faltschachteln
Als Marktführer in den Industriebereichen Verpackung (Verklebung von
Faltschachten oder Wellpappe), Druckweiterverarbeitung (Leimauftragssysteme
für Broschüren, Zeitungen und als Bestandteil einer Druckmaschine)
und Holz sowie Zigarette und im Sondermaschinenbau hat sich Baumer hhs in
der vergleichsweise kurzen Firmengeschichte sehr schnell in eine herausragende
Position vorgearbeitet. In dem eng besetzten Markt für Kalt- und Heißleimsysteme
trennt sich allerdings im praktischen Alltag auch schnell die Spreu vom
Weizen. Der Erfolg von Baumer hhs ist vielen Entscheidungen zu verdanken.
Eine der wichtigen "politischen" Richtungsentscheidungen war diejenige,
sich als Problemlöser zu positionieren und mehr wert auf die kundenorientierte
Individuallösung zu legen als auf die Herstellung von Standardgeräten.
Und Service war von Anbeginn des Unternehmens ein weiterer Erfolgsfaktor:
Ein Rund-um-Service mit kostenloser Hotline für Kunden in der Zeit
von 7.00 bis 19.00 h wochentäglich wird von Fachleuten betreut, der
den Anwendern sehr häufig Hilfe zur Selbsthilfe erteilen kann. Darüber
hinaus verfügt Baumer hhs in Krefeld über eine technisch breit
aufgestellte Mannschaft, die jedes noch so individuell für Kundenbedürfnisse
gefertigte Heiß- oder Kaltleimgerät warten, reinigen, reparieren
und in Stand halten können.
Etwa alle zwei Monate präsentiert hhs patentfähige Lösungen.
Durch diese Innovationskraft hat der Hersteller besonders in der sehr anspruchsvollen
Zigarettenindustrie während der vergangenen zwei Jahrzehnte einen Spitzenplatz
errungen. Die führende Position in einer Branche, die vor allem auf
Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und hohe Standzeiten angewiesen ist,
bedeutet für einen Hersteller von Leimauftragssystemen nahezu den Olymp.
Mit dieser guten Ausgangslage traut sich Detlef Engling, Managing Director
von Baumer hhs, nun in einen für das Unternehmen neuen "Ring":
Die Endverpackung bei Markenartikelherstellern und Abpackern generell soll
nun mit der vor einigen Monaten präsentierten Xmelt-Serie erobert werden.
Die Heißleimgeräte dieser Familie sind sorgfältig aufeinander
abgestimmt: neben den Schmelzgeräten besteht sie aus temperaturgesteuerten
Schläuchen und einer großen Vielfalt von Auftragsventilen mit
Halterungen und Düsen, die den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht
werden. Die interaktive Technologie der Systeme ermöglicht dem Anwender
neue Wege zur Optimierung in der Produktion.
Die Ventilauswahl reicht vom feinen Punkt- und Strichauftrag über Flächen-
und Mehrfachköpfe, bis hin zu fein verwirbeltem Spiralmelt-Auftrag.
Durch modularen Aufbau passen sie sich immer wieder wechselnden Bedürfnissen
der Nutzer an. Das Herzstück besteht im Schmelzgerät mit beweglicher
Bedieneinheit. In diversen Tankgrößen erhältlich, können
Xmelt-Nutzer bis zu acht Xmelt-Schläuche anschließen. Die Heißleimschläuche
transportieren den Klebstoff exakt temperiert und überwacht zum Auftragskopf;
zudem stellen sie die Kommunikation zwischen Schmelzgerät und Auftragskopf
sicher und sind damit ein wichtiger Teil der InterActive-Technologie. Getrennt
wird nach interner und externer Kommunikation: Die interne Kommunikation
beinhaltet einen permanenten Datenaustausch zwischen allen angeschlossenen
Baugruppen (Heizschläuchen, Auftragsköpfen und Schmelzgerät).
Das System "weiß" also genau, welche Schläuche und
Köpfe angeschlossen sind, einschließlich deren Alter, geleisteter
Betriebsstunden usw. Das erlaubt dem Anwender, präventiv den Austausch
einzelner Bauteile vorzunehmen.
Darüber hinaus kontrolliert das System automatisch, ob Soll-Temperaturen
oder andere Eingaben den zulässigen Parametern der Baugruppen entsprechen.
Aufheizkurven werden optimal angepasst, um Zeit und Kosten zu sparen und
um den Leimauftrag zu verbessern. Durch den permanenten Datenaustausch ist
Xmelt in der Lage, Defekte sofort zu erkennen und zu melden.
Vorausschauende Vermeidung von Ausfällen ist ein wichtiger Ansatz des
gesamten Systems: Da Xmelt auch kleine Abweichungen verarbeitet, können
Bauteile rechtzeitig getauscht oder repariert werden, bevor sie den Produktionsprozess
beeinträchtigen. Die Xmelt-Diagnosefähigkeit unterstützt
die Fehlersuche.
Die externe Kommunikation erlaubt es, alle Funktionen via Ethernet von jedem
Computer des Kunden-Netzwerkes zu bedienen. Wenn das nicht reicht, ist Baumer
hhs in der Lage, eine externe Fehlerdiagnose via Internet durchzuführen.
Alle zwei Monate präsentiert man patentfähige Lösungen
Dass die neue Technik modular aufgebaut ist, eine flexible und einfach zu beherrschende Bedieneinheit besitzt und über den Mehrzonentank auch Klebstoff schonend behandelt und sparsam einsetzt, ist bei einem Hersteller, der so auf Innovation setzt, wie Baumer hhs, sicher zu erwarten. Dennoch will die Frage beantwortet sein, warum sich das Unternehmen nach so vielen Jahren des Erfolgs in den genannten Bereichen nun auch in die Endverpackung vorwagt. Dazu nimmt Dr. Dieter Baldauf, Geschäftsführer Baumer hhs wie folgt Stellung: "Der Industriestandard im Heißleimbereich hinkt der Entwicklung der Maschinen unserer Kunden 20 Jahre hinterher. Es gab in der Vergangenheit im Heißleimbereich nur geringfügige Innovationsschritte. Der Markt braucht Neuerungen, weil die Anforderungen an unsere Kunden gewachsen sind. Sie müssen immer schneller, besser und kostengünstiger arbeiten, um im internationalen Umfeld mitzuhalten. Unser Ansatz für Xmelt war daher, aus allen Bereichen der Hochtechnologie das Beste zu übernehmen. Von Dämmstoffen aus der Luft- und Raumfahrt bis hin zu den Möglichkeiten, die uns die moderne Computertechnik bietet."
Und Detlef Engling betont auf die Frage, ob die Hochtechnologie im Heißleimbereich für die Kunden überhaupt bezahlbar sei: "Selbstverständlich, auch hier war unser Grundgedanke, "was bringt den Kunden nach vorn"? Obwohl wir technologisch einen Quantensprung liefern, haben wir ein dem Markt angepasstes Preisniveau. Andere Branchen haben es uns vorgemacht. Gutes muss nicht teuer sein."