hhs Leimauftrags-Systeme GmbH

Deutscher Drucker 11/2005

Wenn Vertrauen nicht reicht

Fehler passieren überall - das ist traurige Wahrheit. Vor allem im Anlauf und Stopp können Produkte schief oder doppelt eingezogen werden. Verschmutzung am Leimsystem führt zu Fehlbeleimungen. Um die Auswirkungen solcher Fehler gering zu halten und dabei Ärger und Kosten zu vermeiden, rechnen sich Investitionen in Kontrollsysteme. Im schlimmsten Fall ist nämlich der Fehler nicht sofort sichtbar, und wird erst nach der Auslieferung bemerkt. Bei Arzneimitteln oder personalisierten Sendungen kann dies schlimme Folgen haben.

Immer höhere Produktionsgeschwindigkeiten und die Forderung, an einer einzigen Falzmaschine vielfältigste Produkte zu fertigen, stellen auch an Zusatzeinrichtungen für Falzen und Kleben höchste Anforderungen. Eine genaue und zuverlässige Falzmaschine ist dabei aber nur die eine Seite. Überall dort, wo fehlerhafte oder untermischte Produkte nicht vorkommen dürfen, ist es ratsam, auch die zuverlässigste Falzmaschine am Ausgang zu kontrollieren: Gehören wirklich alle Produkte zu meiner Serie, enthält das Heft alle Seiten, ist der Klebstoff wirklich aufgetragen? Vertrauen ist gut - Kontrolle besser.

Produzierende Betriebe tun in vielen Fällen gut daran, die Endprodukte der Falzmaschine, angefangen vom Druck und weiter beim Stanzen, Falten und Kleben in verschiedenen Stationen der Produktionskette zu überwachen. Beim Kleben in der Falzmaschine setzt die Firma hhs Leimauftrags-Systeme GmbH aus Krefeld an. Ihr Xtend Gerätesystem stellt ein modulares System sowohl für Leimauftrag als auch Überwachung der Qualität zur Verfügung.
Das System verfolgt alle Einzelprodukte auf ihrem Weg durch die Falzmaschine und bewertet sie nach festgelegten Parametern. Von einem einzigen Touchscreen lassen sich die Funktionen aller Module einsehen, einstellen und bedienen.

Als Hersteller kompletter Systeme von der Klebstoff-Förderung über Auftragsventile bis hin zu vernetzbaren Programmiergeräten ist die Baumer hhs GmbH sowohl in der Kaltleim- als auch in der Heißleim-Technik seit fast 20 Jahren zuhause. In der Druckweiterverarbeitung kommen die Systeme auf Falzmaschinen aller Hersteller zum Einsatz, können dabei aber völlig autark von der Maschine arbeiten. Parallel zur Steuerungstechnik für den Klebstoff-Auftrag hat die Baumer hhs GmbH zudem Systeme zur Qualitätssicherung entwickelt. Diese modularen Geräte umfassen abgestimmte Komponenten von der Sensorik über Touchscreen Bedienung bis zur statistischen Auswertung. Auch wenn der Firmenname anderes vermuten lässt, gibt es zahlreiche Anwendungen ohne jeglichen Einsatz von Klebstoff.

Das Xtend Gerätesystem besteht aus speziellen Funktionsmodulen, die applikationsbezogen zusammen gestellt werden. Unterschiedliche Funktionen wie Codelesung, Längenkontrolle oder Vermessung einer Beleimung laufen jeweils in einem eigenständigen Modul. Die Funktionsmodule sind gemeinsam in einem Gehäuse montiert und intern mit einem Bus verbunden. Für alle Funktionen ist die Bedienung auf einem Bildschirm zusammengeführt.

Das Modul "Glue Control" steuert wegabhängig bis zu 264 (!) hhs-Strich- oder Punkt-Leimauftragsventile. Jedes Ventil kann ein beliebiges Leimmuster auf einem bis zu 4 Meter langen Zuschnitt auftragen. Auch Falzhilfsmittel lassen sich so verarbeiten. Nach Erkennen des Produktes durch einen Lichttaster wertet die Steuerung Geschwindigkeits-Informationen der Falzmaschine aus und steuert bei Erreichen der im Leimmuster eingetragenen Position das Ventil an. So resultiert ein Leimmuster, das bei jeder Geschwindigkeit exakt an der richtigen Stelle sitzt.

Das Modul "Glue Vision Jet" ist für die Düsenleimkontrolle zuständig. Es hält Anschlüsse für bis zu acht hhs-Leimsensoren bereit und lässt sich um zusätzliche "Glue Vision Jet" Module jederzeit erweitern.
Das Gerät prüft auf jedem durch die Falzmaschine laufenden Produkt, ob Klebstoffposition und -menge in dem vom Maschinenführer vorgegebenen Toleranzbereich liegen. Das Modul leitet das Ergebnis der Bewertung an das später beschriebene Modul "Tracking & Ejecting" weiter, das somit fehlerhafte Produkte kontrolliert ausschleust.

Der Codeleser (Funktionsmodul "Code Reading") ist in der Lage Farb-, Kontrast- und EAN-Codes, sowie 2-D Matrix Codes zu überwachen. Er vergleicht Parameter der einzelnen Codes wie Balkenbreite, Balkenabstand, Farbe und Lage des Codes mit einem programmierten Muster. Dies ermöglicht eine exakte Produkt-Identifikation und die Kontrolle von Qualitätsmerkmalen. Liegt das Ergebnis der Bewertung nicht in der vom Anwender vorgegebenen Toleranz, leitet auch der Codeleser das Ergebnis an das Modul "Tracking & Ejecting" weiter.

Das Modul "Tracking & Ejecting" verfolgt den Lauf aller Einzelprodukte in der Falzmaschine und schleust fehlerhafte Produkte aus. Das Qualitätssicherungssystem arbeitet nach dem Fail-Safe-Prinzip. Jedes Produkt gilt als fehlerhaft, bis das System alle überwachten Merkmale als fehlerfrei erkannt hat. Welches Produkt dabei ausgeschleust werden muss, entscheiden die vorgelagerten Funktionsmodule.
Das Modul "Tracking & Ejecting" kann Fehlersignale von allen Funktionsmodulen verarbeiten und die verschiedensten Auswerfersysteme ansteuern, um fehlerhafte Produkte auszuschleusen.
Das Tracking Modul speichert die Information, bis das Produkt den Auswerfer erreicht. Nur das fehlerhafte Produkt wird ausgeworfen, während alle anderen in den Verkauf gehen können. Bei Folgefehlern oder bei Geräteausfällen kann das Modul den Einleger oder die ganze Falzmaschine stoppen. So produziert man nicht erst große Stückzahlen für den Müll.
Der Auswerfer schleust Produkte aus, die eine der folgenden drei Bedingungen erfüllen: 1. Mindestens ein Funktionsmodul hat das Produkt als fehlerhaft erkannt. 2. Ein "außerplanmäßiges" Produkt trifft am Auswerfer ein. Es wurde vorher nicht von den Messgeräten erkannt. 3. Zeitstopp: Auswurf aller Produkte, die sich auf der Falzmaschine befinden. Das macht Sinn, wenn zum Beispiel Klebstoff aufgetragen wurde, der schnell eintrocknet. Dies ist der einzige Fall, in dem der Auswerfer eine ganze Reihe ohne Einzelprüfung aus der Produktion zieht.

Der Endkunde profitiert. Wird doch sein Eindruck vom Produkt und damit auch vom Hersteller nicht durch fehlende, falsche oder beschädigte Produkte getrübt.

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